Kappelseelauf, Sa. 12. Juli
Montag, 07 Juli 2014

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was passieren kann, wenn ... 

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+++ Achtung +++ Achtung +++
Bericht von Elke ist eingestellt !!!

... an einer kleinen Veranstaltung eine grössere Gruppe von den "Roten" teilnimmt ...

... es gibt eine Vereins-Brotzeit

„Der Unterschied zwischen einem Berg und einem Hügel liegt
in Deiner Perspektive."
         
Al Neuharth  

 Rückblende
Auf der Suche nach einem Gemeinschaftsevent für 2014 war die Entscheidung zu Gunsten des Kappelseelaufs in Rentweinsdorf gefallen. Das klang sehr hübsch, irgendwie nach einer gemütlichen Veranstaltung, nicht zu weit weg und, als zusätzlicher Pluspunkt für mich, auch strategisch günstig am Ende des Schuljahres gelegen. In meiner naiven Vorstellung sah ich uns locker plaudernd um den See traben. Gute 11,5km - was für ein Spaziergang! Genau richtig nach dem Halbmarathon in Fürth. Nun hätte ich ja vielleicht damals schon einen Blick auf die Landkarte werfen können. Landkreis Haßberge klingt dann doch nicht mehr ganz so flach. Die Streckenführung verlief außerdem gar nicht rund um den See, vielmehr sollten wir jenseits der Hauptstraße zwei Schleifchen im Grünen drehen. Man hätte aber auch einfach mal auf Armin hören können, der von Anfang an den Teufel an die Wand malte und sich auf Grund scheinbar drastischer Anstiege – zu erkennen damals noch am Höhenprofil auf der Veranstalterseite – für den 5km-Hobbylauf entschied. Aber das mit dem Hören ist halt oft nicht meine stärkste Seite und so wischte ich aufkeimende Bedenken schnell vom Tisch, frei nach oben zitiertem Motto. In meiner Perspektive waren das allenfalls ein paar nette Hügel. Auch die anderen Teilnehmer blieben beim Hauptlauf, bestätigt letzten Endes durch folgende neue Streckenbeschreibung der Veranstalter:   

maximale Höhendifferenz  

0 m  

Höhenmeter 

+0 / 0 

Streckenname 

Kappelseelauf Hauptlauf 

Streckenlänge  

11623.5 


Tag der Wahrheit:
Ohne sich an irgendwelche Gewittermeldungen oder sonstigen schlechten Prognosen zu halten, brannte am 12. Juli die Sonne vom unterfränkischen Himmel. Mit Sigi im Gepäck machte ich mich auf den Weg nach Ebern zum Hotel „Alte Kaserne“. Gut ausgesucht, Frau Pendzialek. Herzlichen Dank für die Organisation! Nachdem auch die letzten Läuferinnen gegen 14.30 Uhr ihr Gepäck auf dem Zimmer verstaut hatten, ging es ein Getränk und eine Ladung Sonnencreme später zum Sportgelände in Rentweinsdorf. Die Abholung der Startunterlagen war eine Sache von fünf Minuten und so blieb jede Menge Zeit für Kaffee und Kuchen, Fotos und den umjubelten Zieleinlauf von Armin, der bereits um drei Uhr auf die Strecke gegangen war. 
Erste Gerüchte kamen auf, dass es einige Höhenmeter zu bewältigen galt. Armin untermauerte die Theorie mit Erfahrungsberichten vom 5km-Kurs. Spätestens jetzt hätte man ja mal skeptisch werden können, ob die Angaben auf der Homepage vielleicht doch nicht so ganz der Realität entsprachen. Aber von derlei Schwarzmalerei wollte ich mir nicht den Spaß verderben lassen und wie schon gesagt, was für andere ein Berg, war vielleicht aus meiner Perspektive nur ein Hügel. Kurz vor 16 Uhr standen also 50 Männer und 18 Frauen (davon 7 vom SV Weiherhof) am Start auf der Straße und Sigi unternahm einen halbherzigen Versuch, sich ein wenig aufzuwärmen. Bei mir übernahm das die Sonne. Die Aufgaben waren klar verteilt. Mit so motivierenden Worten wie „Du musst rennen, damit wir den Fresskorb bekommen!“ wurde entspannte Stimmung verbreitet. Und schon ging es - angeblich nach „3-2-1“ (ich hab`s nicht mal gehört) – stressfrei und gut gelaunt über die Startlinie. 16 Uhr – die Sonne gab alles und mir den letzten Rest. Der erste Kilometer war stellenweise recht holprig und kein bisschen schattig. Gott sei Dank näherten wir uns bald dem Eichwald. Habe ich Gott sei Dank gesagt? Das nehme ich hiermit zurück. Nach der ersten Verpflegungsstation am Waldrand wurde es zwar mit zunehmendem Baumbestand einige Grad kühler, aber was jetzt kam, stellt den Großhabersdorfer Bibertlauf locker in den Schatten. Es ging bergauf.Irgendein schlauer Kopf hat ja wohl mal gesagt, wo es hinauf geht, muss es zwangsläufig auch immer einmal wieder hinab gehen. Tolle Weisheit! Er hätte vielleicht als Fußnote dazusetzen können, dass dieses „immer einmal wieder hinab“ auch 3km und mehr auf sich warten lassen kann. Und so liefen wir bergauf und bergauf, um die Kurve herum und wieder bergauf, mal steiler mal flacher, aber immer konstant aufwärts. 
Als es an einer Kreuzung endlich nach einem Ende der Strapazen aussah, stand da so ein Streckenposten und versperrte den Geradeausweg. Kein Wunder, da wäre es ja auch bergab gegangen. Aber nein, wir mussten in einer Spitzkehre um die Kurve rum und natürlich weiter hinauf. Da habe ich ihn dann doch mal gefragt, ob sie hier auch noch irgendetwas anderes als Berge hätten. Seine Auskunft, dass es nach wenigen Metern besser würde, klang vielversprechend. Tatsächlich war einen Anstieg und eine Kurve später der höchste Punkt des Rundkurses erreicht – genauso wie mein Motivationstiefpunkt. Wenn man da so allein (im Umkreis von 200m war niemand) vor sich hinkämpft, überlegt, ob man nicht einfach weiterwalken soll, falls es nur noch bergauf geht, wenn man die halbe Strecke über eine Gänsehaut hat, weil die Wasserversorgung offensichtlich doch nicht ausreicht, wenn man die freundlichen Helfer an der Strecke ziemlich gequält anlächelt und eigentlich nur hofft, dass man das eine oder andere Kilometerschild lediglich übersehen hat und in Wirklichkeit schon fast im Ziel ist, dann gehen einem tatsächlich noch Gedanken durch den Kopf, obwohl die Durchblutung da oben ziemlich dürftig sein müsste. Hier ein paar Auszüge:

1. Jetzt möchte sogar ich mich nicht mehr unterhalten. Ist aber ja eh keiner da.  Gott sei Dank!
2. Hier laufe ich definitiv nie wieder!
3. Klapp jetzt ja nicht zusammen! Das wäre voll peinlich.
4. Es ist mir sch. . . .egal, auf welchem Platz ich liege. Ich will nur ins Ziel!
5. Wenn ich jetzt einbreche und zurückfalle, dann will ich aber nicht Letzte werden. So viel muss noch gehen. 
6. Die arme Margrit! Und ich habe ihr noch gesagt, sie solle Armins pessimistische Höhenprofil-Prognose nicht so ernst nehmen. Hoffentlich geht das gut!
7. Im Ziel kannst du umfallen, vorher nicht! 

Den ersten Lichtblick gab es kurz vor Kilometer fünf: Es ging bergab! Richtig gelesen. Lediglich der ein oder andere winzige Hubbel schob sich dazwischen, konnte aber mit Schwung überwunden werden. Ich atmete innerlich auf und war schon fast gewillt, mich mit der Strecke anzufreunden. Was für ein fataler Fehler! Irgendwie musste der Streckenposten von vorhin vergessen haben, dass es zwischen dem siebten und achten Kilometer zur Abwechslung mal wieder bergauf ging. Ich fragte mich, wozu?! Zwei Kilometer wurden wir in Sicherheit gewiegt, der Anstieg war schon fast vergessen und dann so etwas. Von Wellen und Buckeln hatte ich nun die Nase voll. Als es ab Kilometer neun endlich nur noch abwärts ging, traute ich dem Frieden zunächst nicht. Auf die Masche wollte ich nicht ein zweites Mal hereinfallen. Aber irgendwann führte der Weg tatsächlich aus dem Wald heraus und verhaltener Optimismus machte sich bei mir breit. Jetzt konnte eigentlich kein Anstieg mehr kommen, es waren doch nur 11,6km. Vorbei an tapfer in der Sonne ausharrenden und klatschenden Anwohnern führte der Weg schließlich wieder über die Hauptstraße und vorbei am Schloss Rentweinsdorf. Von hier aus war es theoretisch ein Klacks, das Ziel in greifbarer Nähe. Trotz fehlendem Streckenposten an der Abzweigung hinter dem Schloss fanden fast alle Teilnehmer den Weg zurück zum Sportgelände. Lediglich ein Neu-Weiherhöfer gab dem Herdentrieb nach und verlängerte zusammen mit einigen Läufern anderer Vereine die Strecke um weitere 800m. Dass mein Gehirn unter akutem Sauerstoffmangel litt, erkannte ich unter anderem daran, dass ich den Eingang zum Sportplatz fast nicht gefunden hätte und schon bereit war, über den Graben zu springen, um auf die „Stadionrunde“ zu gelangen.
Der Zieleinlauf über den Rasen wurde bei jedem Teilnehmer anmoderiert, damit das Publikum auch wusste, wer sich da über die Ziellinie schleppte. Auf den letzten Metern nochmal gewinkt und in Jörgs und Ralphs Kamera gelächelt, dann war es endlich vorbei. 
Umfallen wollte ich jetzt doch nicht mehr und Letzte war ich zum Glück auch nicht geworden. Die nächsten 30 Minuten verbrachte ich mit dem Versuch, meinen Flüssigkeitshaushalt in den Bereich des Normalen zu bringen. 
Das half zwar nicht wirklich gegen das Frösteln bei strahlendem Sonnenschein, dafür aber beim Formulieren zusammenhängender Sätze, die inhaltlich über „Danke“, „Hallo“ und „So ein Mist“ hinausgingen. 
Mein ganz persönliches Highlight verschaffte mir eine andere Teilnehmerin: „Ich muss dir jetzt mal ein Kompliment machen: Deine Haare haben den ganzen Lauf über gehalten.“ Na, wenn das keine Anerkennung nach so einem Kraftakt ist. Was will man mehr?
Kurze Zeit später hatten alle Weiherhöfer Läufer und Walker das Ziel erreicht (auch eine gut gelaunte Margrit). Mit den Ergebnissen konnten wir ausgesprochen zufrieden sein. Große Begeisterung für unsere vielen sportlichen älteren Mitglieder brachte der Organisator zum Ausdruck. Ebenso sein Bedauern, dass im Internet aus unerklärlichen Gründen das tatsächliche Höhenprofil verschwunden war. Was soll`s, hinterher hatten wir es ja alle auf unseren Uhren: 

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Die anschließende Siegerehrung ließ alle Wehwehchen und Mühen vergessen. Schon das erste Brot nebst Dose Wurst zauberte Dirk den Hauch eines Lächelns ins Gesicht. Beim vierten Altersklassensieg fragten sich die ersten, wozu wir im Hotel einen Tisch fürs Abendessen reserviert hatten. Mittlerweile waren wir Brotzeit-Selbstversorger. Restlos am Strahlen waren aber alle nach der Übergabe des Brot-Schinken-und-Wurst-Korbs, der Gerhard zusammen mit einem Kasten Bier nach Wahl als Preis für die Meistbeteiligung überreicht wurde. Die Kofferraumparty am darauffolgenden Dienstag war beschlossene Sache. 
Aus Läufersicht ging ein anstrengender, aber schöner Nachmittag bei einer familiären, gut organisierten Sportveranstaltung zu Ende. 
Hochzufrieden hinterließen wir im Biergarten und in der Gaststube des Hotels „Alte Kaserne“ den Eindruck eines gut gelaunten, äußerst kommunikativen Vereins, bevor Ralph auf den letzten Metern vor unseren Zimmern noch zwei Flaschen Sekt überwiegend in Gläsern an alle Interessierten, aber auch in Pfützen auf dem Boden verteilte. Gegen 1.15 Uhr zog ich mich zurück. Nein, ich war nicht die Letzte.
Nach einem leckeren, reichhaltigen Frühstück am nächsten Morgen, brachen wir gegen 10 Uhr im Regen nach Hause auf, im Gepäck Erinnerungen an eine gelungene Veranstaltung, von allen Beteiligten prima organisiert. Herzlichen Dank! 
Ich freue mich auf den nächsten gemeinsamen Ausflug, vielleicht mit noch mehr Teilnehmern.

Ach, und Gerhard, dafür vielleicht mal was ohne Berge?!

Eure Elke