Runnterra 2015
Samstag, 03 Oktober 2015

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Für die einen ist es ein eher fragwürdiges Spektakel, dessen Teilnehmer sich bis zu drei Stunden durch Dreck, Schlamm und Wasser quälen, immer auf der Suche nach dem tieferen Sinn der Veranstaltung. Für die anderen ist es ein riesiger Abenteuerspielplatz, auf dem Erwachsene endlich mal nach Herzenslust im Matsch wühlen und im Wasser planschen können, um sich nach der Überwindung zahlreicher fantasievoller Hürden zuletzt wie Helden feiern zu lassen.  
Für die Veranstalter ist es RUNTERRA – DER RUN MIT DEN MEISTEN HINDERNISSEN! Und für uns??? Einfach nur Spaß J 
Nach unserem Zwei-Frau-Debüt im Vorjahr starteten Sigi und ich dieses Jahr mit  Verstärkung in Person von Sigis Sohn. Ein Matrosinnenkleidchen hatten wir für Sven leider nicht mehr parat, aber ich denke, diesen Mangel konnte er verschmerzen. Schade nur für uns, das hätte schon was hergemacht. Egal! 
Um 14 Uhr fiel der Startschuss für den ersten Block. Dort sollten sich nach dem Wunsch der Veranstalter all diejenigen befinden, die ambitioniert auf die Strecke gehen wollten. Das waren eindeutig nicht wir. Zu diesem Zeitpunkt verfolgten wir das Geschehen noch entspannt von einer Bierbank aus, natürlich im Stehen, das hatten Sigi und ich nun wirklich intensiv trainiert. Irgendwann begaben wir uns dann doch zum Starterfeld. Ganz die Runterra-Profis wussten wir selbstverständlich, dass blockweise im 10-Minuten-Takt gestartet wurde und die Wartenden durch penetrante Animation zu diversen Aufwärmhampelmännern bewegt werden würden. Wir blieben gelassen. Als weniger professionell stellte sich aber schnell unser Timing heraus. Da waren wir wohl zu lässig gewesen. Der Blick nach hinten verriet uns bald, dass das mit dem Start noch eine Weile dauern würde. Die Reihen hinter uns waren im Gegensatz zu denen vor unserer Nase ausgesprochen überschaubar und somit stand fest, dass wir uns im definitiv letzten Startblock befanden. Mist! 
Gegen 14.45 Uhr durften wir endlich loslaufen – genauso wie der gesamte Rest. Dementsprechend kamen wir auch nur geschätzte 100 Meter weit. Dann staute es sich zum ersten, aber bei weitem nicht zum letzten Mal. Hindernis 1 erreichten wir quasi im Spaziergang. Das Tückische hier war weniger der Stacheldraht über unseren Köpfen als vielmehr die Füße des Vordermannes, die sich beim engagierten Vorwärtsrobben überall ihren Widerstand suchten – wenn es dumm lief auch in den Gesichtern der Nachfolgenden. Der Kurs war in diesem Jahr zwar einen Kilometer länger als 2014, aber im Großen und Ganzen hatte die Strecke Wiedererkennenswert. Die Kenntnis der Route brachte uns aber auch nicht weiter, schneller ging es deswegen mitnichten. Unsere Schuhe behielten wir diesmal während des kompletten Laufs da, wo sie hingehörten, obwohl es genügend Gelegenheiten gab, sie in dem einen oder anderen Matschloch unfreiwillig zu entsorgen. Die Hindernisse ähnelten denen vom Vorjahr, waren stellenweise sogar die gleichen. So erklommen wir mal wieder einen Sandberg nach dem anderen, trugen Sandsäcke im Gänsemarsch durch Bäche, stürzten uns durch die Induhl-Drecksbrüh und schoben uns rücklings durch den Dreck. 
Neu waren in diesem Jahr diverse Lebend-Figuren wie aus der Geisterbahn. Sie standen drohend im Schlamm, schienen jedoch weit weniger Spaß an der Pampe zu haben als die Teilnehmer. Wer unterwegs den Blick ein wenig schweifen ließ, konnte an so manchem Hindernis auch liebevoll platzierte Deko erkennen und die dramatischen Klänge von „Fluch der Karibik“ genießen. 
Meine absoluten Favoriten, sowohl im letzten Jahr also auch diesmal, waren aber wieder einmal die Wasserhindernisse. Hier hatten sich die Veranstalter kreativ ausgetobt und gleich zwei Stellen geschaffen, an denen kein Haar mehr trocken blieb. Zunächst mussten wir die Bibert auf Höhe des Kindergartens durchqueren. Um uns nicht zu unterfordern, versperrten auf halber Strecke zwei Reihen von Kanus den Weg, die eigentlich im Tauchgang passiert werden sollten. Eine tolle Sache, auch wenn sich manche den ganzen Spaß nahmen, indem sie seitlich an den Booten vorbeiwateten. 
Endlich nass bis in die letzte Pore waren die verbleibenden zwei Wasserstellen der reinste Kinderfasching. Ein Mal durch die Bibert waten und als krönender Abschluss dann die Rutsche. Darauf hatten wir uns schon eine Stunde lang gefreut. Und steiler als im letzten Jahr war sie auch noch. Schwungvoll verschwanden Sigi und ich unter der Wasseroberfläche. Die paar Meter bis zum Ufer schaffte man auch ohne Extra-Schwimmtraining. Unsere Matrosinnenkleidchen erwiesen sich dabei als absolut wassertauglich und boten die nötige Bewegungsfreiheit an Armen und Beinen. An was man nicht alles denken muss auf der Suche nach einem geeigneten Outfit! 
Auf den letzten Metern bis zum Ziel staute es sich noch einmal gewaltig an Hindernis 39 bzw. 40. Doch dann war der Weg frei. Über die Strohballen, durch den Schaum und über das Feuer (das nur noch auf Sparflamme brannte) erreichten wir zu dritt die Ziellinie, wo man uns für unsere heldenhaften Leistungen sofort eine glänzende Medaille umhängte. Das macht durchaus Sinn, so kurz nach den letzten Matschlöchern, dann klebt nämlich auch am leuchtend roten Umhängeband gleich ein bisschen was vom legendären Dreck von Runterra und beweist, dass man wirklich dabei war. 
Apropos RunTERRA. Also terra hatten wir wieder mal reichlich und zwar in allen Farben und Formen, die man sich vorstellen kann, von lehmbraun über undefinierbar grau bis zu fangoschwarz und von krümelig über glitschig und durchwatbar bis hin zu zäh (da kann man sogar drin steckenbleiben). 
Aus Rücksicht auf Sigis Nebenhöhlen beließen wir es diesmal bei einer Runde und machten uns unverzüglich an die weitaus größere Herausforderung der Wiederherstellung des körperlichen Ursprungszustands bezüglich Haut- und Haarfarbe sowie Geruch. Die wahre Leistung bei Runterra ist es nämlich, nach 1 Stunde und 25 Minuten Schlamm, Wasser, Dreck und Sand innerhalb von 45 Minuten wieder auszusehen wie ein zivilisierter Mensch und zu riechen wie der junge Morgen. Was uns natürlich gelang, kein Zweifel (Nein, das ist nicht diskutierbar)! 
Wir ließen den Tag noch ein wenig ausklingen und trafen letztendlich auch ein paar bekannte Weiherhöfer Mitstreiter. Norbert und Kerstin waren ebenfalls auf ihre Kosten gekommen. 
Abschließend bedanken möchte ich mich auf jeden Fall bei unseren Streckenfotografen, allen voran Kathrin, die wunderbare Beweisfotos schoss, z.B. zur Klärung der Frage, ob Bauch und Unterhemd wohl nach der Hälfte der Strecke noch weiß sind. 
Auch Jörg harrte geduldig aus, um uns auf den letzten Metern noch einmal anzufeuern, sich Insidergespräche über den Lauf anzuhören, Kaffee zu bringen oder einfach nur Gesellschaft zu leisten. 
Mal sehen, ob wir auch im nächsten Jahr wieder im Zeichen des Phönix an den Start gehen. Dann brauchen wir natürlich wieder ein neues Outfit, auch wenn das diesjährige ganz getreu dem Motto wie Phönix aus der Asche wieder auferstanden ist. 

H
ier der Beweis: 

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In diesem Sinne und mit einem theatralischen „Never give up!“ 

Eure Elke