10. Erntedanklauf-Rosstal
Montag, 19 Oktober 2015

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10. Auflage des Erntedanklaufs - leider kühl und verregnet

Es gibt sicher charmantere Titel als den Ausdruck „Rennschwein“, aber ich nehme ihn jetzt mal als Kompliment. Optisch lag der Vergleich am Ende des Regenrennens vermutlich auch sehr nahe.  
Verkehrte Welten, was die Rahmenbedingungen für den Roßtaler Erntedanklauf am 4. Oktober betraf. Das dauergraue, nasse Nieselwetter hätte seine Berechtigung beim 2. Runterra-Lauf eine Woche zuvor gehabt. So aber bescherte es der Erntedank-Veranstaltung statt eines goldenen Oktobersonntags eher suboptimale Bedingungen (während Sigi, Sven und ich am letzten Septembersamstag lediglich durch diverse Schlammbäder und Flussquerungen nass wurden). Heuer also mal wieder Regen in Roßtal. An dieser Stelle möchte ich gleich ein Dankeschön an unsere treuen Weiherhöfer Zuschauer loswerden, die dem Wetter trotzten und unter anderem – in Gestalt von Jochen – die Rolle des Strecken- und Eventfotografen übernahmen. Jetzt kann wenigstens jeder sehen, wie Frisur und Outfit unterwegs gelitten haben. 
Beidfüßig gechipt, zum Teil MP3-verkabelt und wie immer bestens vorbereitet und gelaunt stellten wir uns zunächst professionell dem Fototermin und dann an die Startlinie. Mit immerhin 11 Läufern für die 8,5-km-Distanz war der SV Weiherhof doch gut vertreten.  
Mit Peter hatte ich einen Tag vorher noch eine geniale Renntaktik abgesprochen. Der Plan war, zunächst schnell den Lauf hinter uns zu bringen, wechselweise im Windschatten des anderen und uns dann ins Vergnügen zu stürzen, also an die Weizen- und Kuchentheke. Die Strategie war in der Theorie perfekt. Das mit dem Windschatten hat aber dann letzten Endes doch nicht so ganz geklappt. Ich habe mich aber durchaus bemüht. 
Wer die Strecke kennt, weiß, dass ebene Asphaltabschnitte eher dünn gesät sind. Schon auf dem ersten Streckenkilometer geht der Untergrund schnell in weicheren Feldweg über. Vielleicht hätte der Teilnehmer vor mir sein Handy lieber hier fallen lassen sollen und nicht auf der Straße zuvor. Die technologischen Überlebenschancen wären auf Sand wahrscheinlich höher gewesen. 
In flottem Laufschritt ging es weiter über Feld- und Waldwege. Um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie Peter vor zwei Jahren und formvollendet über eine nasse Wurzel zu stürzen, konzentrierte ich mich weniger auf den bevorstehenden Kuchen im Zielraum und verstärkt auf den teils holprigen Untergrund. Das und die Läufer im direkten Umfeld lenkten wenigstens ganz gut ab. Vormittagsläufe sind einfach nicht mein Ding, selbst wenn sie erst um 11 Uhr starten. Das macht die Beine auch nicht leichter. Nach zwei Kilometern kam trotz des Tempos doch noch eine kurze Vier-Satz-Unterhaltung zustande, als Candy an mir vorbeizog. Danach wurde es wieder ruhig. Bei Kilometer drei überlegte ich mir, ob ich nicht einfach aufhören oder mich zurückfallen lassen sollte. Das wäre mal ganz was Anderes gewesen. Aber irgendwie fand ich das dann doch zu unlogisch. Also weiter! Langsam wurde es besser. Auf die Getränkeversorgung in Trettendorf verzichtete ich. Von oben kam genug Nass und so dehydriert war ich dann doch nicht. Auf den letzten Kilometern lieferte ich mir einen kleinen Zweikampf mit einem Läufer vom Laufteam Fürth 2010. Mal war er vorn, mal ich, dann wieder er usw. Ein zweifacher Lichtblick tat sich auf nach Kilometer sieben. Erstens war die Straße Richtung Roßtal in Sicht und somit das Ziel schon fast in Hörweite und zweitens tauchte am Horizont ein einsamer Fotograf im Regen auf. Das konnte nur Jochen sein. Okay, meine Frisur war im Eimer, das Outfit saß auch nicht mehr perfekt, aber wenigstens die Startnummer machte noch was her. Jetzt also 200 Meter lächeln und so tun, als wäre ich noch taufrisch. Irgendwie konnte ich mich wohl glatt selbst davon überzeugen, denn die letzten paar hundert Meter lief es wie geschmiert. Vor mir kämpften zwei Männer auf der Zielgeraden verbissen um Platz 9 und 10. Dafür hatte ich komfortabel Platz um mich herum. Endlich fertig konnte ich mir auch wie immer die ewig gleiche Frage beantworten: „Warum mache ich das überhaupt?“ Natürlich für dieses wunderbare Gefühl, wenn sich die Atmung langsam wieder stabilisiert und man in zusammenhängenden Sätzen und mit einem Lächeln im Gesicht endlich wieder in würdevoller Haltung ein Gespräch führen kann. Innerhalb kurzer Zeit trafen sich alle Weiherhöfer  zunächst im Zielraum und anschließend im Zelt. Zeit fürs heiß ersehnte Vergnügen in Form von Weißwürsten oder leckerem Kuchen. Wer brauchte da noch Sonnenschein?! Wahrscheinlich lag`s auch an der hervorragenden Verpflegung, dass wir alle diese feuchtkühle Veranstaltung ohne Schnupfen überstanden haben. 
Mir hat es wieder einmal Spaß gemacht – trotz der schweren Beine. Man kann einen Erntedanksonntag ja auch kaum besser beginnen, als in netter Gesellschaft für einen guten Zweck um die Wette zu rennen und anschließend das Verpflegungszelt zu stürmen. Und wer jetzt immer noch nicht weiß, ob er nächstes Jahr auch einmal mitmachen möchte, der sollte einen weiteren, nicht zu verachtenden Pluspunkt bedenken: Man kann mal ausschlafen und muss trotzdem nicht aufs Training verzichten.  

In diesem Sinne freue ich mich aufs nächste Jahr. 
 

Eure Elke