GutsMuths-Rennsteiglauf am 18. Mai 2019
Montag, 17 Juni 2019
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Rennsteigfan - Candy

Schnell geht anders, schön genau so                        

17.05.2019 es ist mal wieder soweit, Rennsteigzeit. Neuer Start, neue Strecke, neues Gefühl im Ziel

Zum ersten Mal ist Neuhaus am Rennweg mein Startort, warum? Ich starte beim Marathon und nicht wieder beim Supermarathon. Den kenne und liebe ich. Nun möchte ich wissen ob auch der Marathon liebenswert sein kann. Eines vorne weg, leicht ist er nicht und das habe ich gespürt, schön und liebenswert auf jeden Fall.                   

Beginnen wir mit dem Vortag. Hier ist alles ein wenig größer als in Eisenach, kein Zelt sondern eine ganze Halle, kein Startbogen sondern ein ganzer Sportplatz mit Bühne. Hier gibt es Rouladen statt Gulasch, Klöße und Blaukraut kommen mir sehr bekannt vor. Es ist einfach lecker. Die Band spielt Schlager und Partymusik. Die Leute machen mit und feiern das Event und ein bisschen auch sich selbst. Sehr sympathisch ist, dass es auch hier keine große Messe und keinen Firlefanz gibt und alles sehr bodenständig ist. Getrunken wird hier sogar noch mehr Bier als ich das aus Eisenach kenne. Mag daran liegen, dass der Start auch erst um 9:00 Uhr ist. Eine doch sehr angenehme Zeit.

Halb sieben, ich bin wach. Die Sonne scheint und es ist schon recht angenehm. Glück gehabt, die ganze Woche über war das Wetter nicht so toll. Diesmal hatte ich meine eigene Unterkunft dabei und konnte mir Hotel oder Massenunterkunft sparen. In der Sporthalle, wo noch bis nach Mitternacht gefeiert wurde, gibt es seit 6:00 Uhr Frühstück, ich hab mein eigenes dabei. Gegen acht Uhr füllt sich das ganze Areal stark, die Busse aus Schmiedefeld die Hotelgäste aus der Umgebung auch die Einheimischen treffen ein. Alle wollen rechtzeitig da sein und sich einstimmen auf den schönsten Brauch vor einem Start den ich bislang erleben durfte. Bis es soweit ist wird Musik gespielt, besonders beliebt ist das Rennsteiglied, ein typisches Volkslied, und ich finde es erstaunlich, wie viele tatsächlich mitsingen. Der Höhepunkt vor dem Start ist aber ganz klar der Schneewalzer. Hier ist dann wirklich keiner mehr alleine und wer dachte, er wäre es, den hakt man ein und man schunkelt mit. Eine so schöne Stimmung hatte ich noch bei keinem Lauf vor dem Start erlebt.

Der Lauf startet pünktlich. Es wird ein schöner Lauf, ein anstrengender Lauf sein. Die Strecke beginnt mit einem Anstieg und endet mit einem Anstieg. Und dazwischen? Da geht es auf und ab. Die ersten Kilometer verlaufen auf Asphalt, was auch Sinn macht, da so viele Läufer nicht sofort auf den Rennsteig passen würden, da muss sich das Feld schon erstmal ein wenig entzerren. Um in eine Gruppe zu kommen, welche ein vermeintlich gutes Lauftempo hat, muss man ganz schon drücken um am Anstieg zu überholen. Und der schnelle Asphalt verleitet auch dazu, zu sehr wie ich ein ganzes Stück später gemerkt habe. Nach sechs Kilometern geht es runter von der Straße und der schöne Streckenteil beginnt. Ab hier sind nur noch Straßenüberquerungen und Ortsdurchläufe auf Straßen der Rest ist auf Wegen, bis zum Masserberg. Ab hier wird es dann anspruchsvoll, stellenweise sogar sehr. Der Abstieg ist ein Hohlweg mit vielen Stufen über Wurzeln und Steine. Überholen ist gefährlich und es gibt immer wieder Stürze. Der Weg und das Lauferlebnis sind aber wunderschön, schöner als die Supermarathon Strecke. Und das hilft mir auch das aufkommende Brennen in den Beinen und die vom groben Untergrund geschundenen Füße zu vergessen. Erstaunlich erschöpft komme ich nach 4:02:45 Std. und damit leider knapp über meinem gesteckten Ziel, an. Auch ein wenig ernüchtert , weil ich gar so geschaft bin und diesmal nur die Medaille mit dem rot-weißen Band erhalte, nicht das mit dem goldenen, und auch kein Finishershirt, das gibt es auch nur für den Supermarathon. Klar für den Halbmarathoni ist man schon auch wer, aber die Heldenmedaille gibt es nun mal für den Supermarathon und auch diesen Blick der Bewunderung und Anerkennung von den anderen Teilnehmen, zumindest gespürt. Und es ist auch nicht wirklich so, dass man nur den Supermarathonis Respekt zollt, nein hier geht man sehr gut und freundlich miteinander um und jede Leistung wird hoch angesehen, aber mir fehlt was.

Ist es ein schöner Marathon? Ja, auf jeden Fall. Ist er für einen ersten Marathon geeignet? Ich sehe das nicht so. Komme ich wieder? Vermutlich ja, ich glaube ich möchte mich noch einmal als Held fühlen.

Aber jetzt geh ich erstmal mein Bier holen, dann duschen, dann feiern.

Euer Candy