22. München-Marathon, Sonntag 14.Okt. 2007 – 42,195 km
Mittwoch, 17 Oktober 2007

Warum gerade den „München-Marathon“ ? Vielleicht weil ich in dieser Stadt 
1960 das Licht der Welt erblickt habe und dort, im Ortsteil Milbertshofen, 11
z.T. abenteuerliche Jahre meines Lebens verbringen durfte. Und weil man ein
paar Kilometer hinter München gleich noch schön Urlaub machen kann ..

z.B. am Schliersee bzw. in der Fischbachau. Kaum angemeldet, hatte ich auch schon mit einer mittelschweren Erkältung zu kämpfen. Mittels sämtlicher Tricks und Tipps hatte ich diese bis zum Tag X glücklicherweise wieder unter Kontrolle. Dann gab es noch Probleme mit Jochen. 10 Tage war es bereits her, als er durch einen Fußball so unglücklich am Kopf getroffen wurde, daß er noch immer einen dumpfen, latenten Schmerz verspürte. Von Freitag auf Samstag zur Beobachtung ab ins Krankenhaus. Urlaubsabfahrt Samstag somit auf Sonntag verschoben. Sonntag um 5:00 Uhr begann der Marathontag. Brr.. kühle 5 Grad – genau wie vorausgesagt. Aber einer klaren Nacht wird sicher ein sonniger Tag folgen. Kurz vor 7:00 Uhr konnte der Tripp beginnen. Der morgentliche Dunst hatte sich alsbald verzogen. Selbst der Highway wirkte noch recht verschlafen. In der Holledau ging links von uns – ganz ohne Morgenröte – goldfarben die Sonne auf. Danke Petrus, auf dich ist Verlaß ! Problemlos erreichten wir um 8:45 das Olympiazentrum. Kleinerer Stau bei der Parkplatzzufahrt. Die Gebühr beträgt ganztägig Euro 3,50 ... das ist ja noch richtig anständig. Landen auf Block 13. Schluck, daß ist schon ne Nummer größer als bei meinen beiden vorherigen Teilnahmen. Rechts geht’s zur Arena bzw. zur Startnummernausgabe. Ja, wen treffen wir trotz dieser Menschenmassen ? Angelika, Heinz, Hermine, Melanie, Thilo und Domenik ...ein kurzes Hallo, Kathrin und Roger begleiten uns noch zur Startnummernausgabe, die ist mittels Rolltreppe, eine Etage höher zur erreichen. Jawohl, da finden wir auch zu Renate und Gerhard. Alles optimal organisiert ... keinerlei Wartezeit bei der Ausgabe. Startnummer angelegt, dann könnten wir in Richtung START d.h. Ackermannstraße aufbrechen. Plötzlich war ich, trotz der vielen Menschen, a l l e i n  .... Nun gut, auch mit diesem Gedanken hatte ich mich vorab bereits vertraut gemacht. Ein paar Reihen, in Sichtweite, der 3:59:59 Zugläufer mit seinem orangefarbenen Luftballon .... viele Österreicher u.a. ein Läufer komplett mit Trachtenanzug und Sepplhut ... ein paar Franzosen ... ein Schwarzafrikaner mit – ich nehme an – Häuptlingskopfschmuck aus zahlreichen Federn ... kurzum ein sehr buntes Teilnehmerfeld. Nach 12 Minuten waren endlich alle Teilnehmer vom Startblock A      auf der Strecke, so daß sich nunmehr Block B mit lauten Böllerschüssen auf den Weg machen konnte. Bereits nach wenigen Metern war mir klar, daß der Zugläufer sein Handwerk nicht verstand. Das hatte ich doch bereits in Fürth hautnah miterlebt, daß das nicht gut geht. Ein paar Meter vor mir sehe ich noch mal kurz Gerhard wie er sich am rechten Rand immer weiter nach vorne durchschlängelt ... o.k. Adios Trainer, hoffe wir sehen uns in 4 Stunden wieder. Und so geht es – durch ein noch eher verschlafen wirkendes Schwabing hinaus Richtung Englischen Garten. Dort kam ich mit zwei jungen Läuferinnen aus Frankfurt ins Gespräch. Für die eine war es der Erste Marathon , für die andere der Zweite. Beide waren irritiert und verunsichert, weil sie den 4 Stundenläufer nicht einmal mehr in Sichtweite hatten. Versuchte sie aufzubauen, indem ich ihnen klar machte, daß der Pacemaker ein Stümper ist, der viiiel zu schnell läuft. Erleichterung. Bei der nahenden Versorgungsstation trennten sich unser Wege. Bananen aus Bayern. Greife dankbar zu und blicke suchend nach oben  .... ja wo wachsen denn die ? Gelächter ... so näherte sich die Halbmarathonmarke .... knapp 1:57, mh ... schön gleichmässig weiterlaufen und hoffen, daß ich das Tempo auch nach km 35 noch annähernd halten kann, denn da wird’s ja bekanntlich langsam kritisch. Egal, momentan ging noch super. Da ruft jemand Heike .... sehr erbauend mal ein bekanntes Gesicht zu sehen ... Renate hetzt auf einem geliehenem Fahrrad zum nächsten Treffpunkt. Inzwischen lacht die Sonne. Herrlich angenehm .. nicht zu warm. Marienplatz ... endlich mal etwas Action ... Kathrin zappelt wie wild und gemeinsam mit Roger ruft sie meinen Namen ... Danke, schön euch zu sehen ... vorbei am Feinkost Käfer ... hier steht auf dem Fußweg „Schritt-Tempo“. Der Läufer neben mir und ich, wir müssen lauthals lachen ... na, in eben diesem waren wir die letzten 3 Stunden unterwegs. Die 30km-Marke folgt ... hier spielt eine super Steel-Band. Schade, langsam verhallen deren Klänge. In der Theresienstraße bekomme ich Gerhard nochmals zu Gesicht. Er ist bereits bei km 36, während ich erst beim 32,5 bin ...Kurz vor dem Karolinenplatz treffe ich 2 Jungs aus Roth. Wie sich herausstellt, ist der mit der Digikam, ein laufender Schreiber der Internetseite „Laufspass“. ( Kannte ich schon – sehr empfehlenswert – super Berichte, viele Bilder ... ). Trotz der vielen Sehenswürdigkeiten werden die Beine langsam schwerer und schwerer. Unendlich lang zieht sich die Leopoldstraße ... ebenso die Elisabethstraße ... und die Zahl derer, die nicht mehr laufen wollen nimmt immer mehr zu ...jetzt wäre es schön, Jochen in Sichtweite zu haben ...Statt Jochen kommen Seitenstechen, etwas, womit ich noch bei keinem Wettkampf Probleme hatte. Konzentriere mich auf meine Atmung ... schliesse immer mal wieder die Augen und predige mir: gewonnen wird im Kopf ... nicht der Körper macht schlapp, sondern die Psyche !! Km 40 – Ackermannstrasse – das Teilstück kennt man vom Start. Was da wohl in dem Discotunnel abgeht .... wo bleibt der denn bloß ?? Der letzte Kilometer bricht an .... jetzt, nach rechts abbiegen,  rein in die bunten Nebelschwaden durch den dumpfen Beat und endlich ...das Stadioninnere ist erreicht ... 300, 200m ... Ziel ich sehne dich herbei ... endlich angekommen. Ein Plastikschutzmäntelchen übergestülpt ... aber niemand, mit dem man sich freuen kann .... ne trockene Breze, ein Becher Bier ... suche den Ausgang ... Moment mal, was haben die denn alle um den Hals hängen ? Ach ja, eine Medaille gibt’s ja auch noch. Laufe zurück, um diese noch nachträglich in Empfang zu nehmen. Der Weg aus dem Stadion ist beschwerlich, er führt über einen ansteigenden Übergang hinauf zum Nadelöhr, durch welches nur die Teilnehmer schlüpfen dürfen. Eine ältere Dame befragt mich noch sehr interessiert, ob von allen Läufern die Zeit genommen wird, wie das funktioniert und ob man disqualifiziert wird, wenn man geht, statt zu laufen ...oh, oh ... dann hätte dieser Wettkampf aber für etliche ein ungerechtes, bitteres Ende genommen ;o))

 

 

 

 

 

 

 

Heike