ROM-Marathon, 16.03.2008
Samstag, 22 März 2008


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                 Das gefährliche an einem Städtemarathon ist,



daß man von der Stadt seiner Wahl möglichst viel sehen bzw. jede Menge Impressionen erhaschen möchte. So entschlossen sich Gerhard, Renate, Jochen und ich zur Freitagsanreise in Rom. Ein Entschluß, der für uns Läufer nicht ganz folgenlos bleiben sollte. Bei regnerischen kühlen 5 Grad startete der Flieger in Nürnberg um 8:35 Uhr ( nicht ohne vorher 2 Reisende aus Weiherhof über Lautsprecher daran zu erinnern, dass sie ihre Boardingzeit bereits reichlich überschritten haben  …. des Bläsla hatte beide vor Aufregung nochmals gedrückt …) um dann nach 75 Min. Flugzeit bei sonnigen 15 Grad in Rom zu landen. Jochen glaubte den Weg zur Unterkunft zu kennen und lotste uns und unsere störrischen Rollkoffer durch halb Rom. Stunden später kamen wir schweißgebadet (o.k. ist ein klein wenig übertrieben) am Ziel an, welches eigentlich nur knapp 500m vom Bahnhof entfernt gewesen wäre ..  ) Die Zimmer in der „Villa Lituania“ sind einfach und zweckmäßig. Auspacken, ein wenig frisch machen und dann wurde gleich zur 1.Erkundungstour durchgestartet. Und wo wird uns diese wohl hingeführt haben ? Richtig, zum Kolosseum und um das angrenzende Forum Romanum bis hinauf zum Kapitolsplatz, der die Stadtverwaltung beherbergt. Die Sonne stand schon tief, als wir durch den Circo Massimo über zahlreiche Vias und Plazzas mit heißgelaufenen Fußsohlen wieder zurück in den Stadtteil „Laterano“ gelangten. Nun noch Nudeln, Pizza und ein Gläschen Roten in der Pizzeria nebenan und dann ab in die Falle. Am darauffolgenden Tag mußten wir zum „Palazzo dei Congress“ an das andere Ende der Stadt. Zu diesem Zweck benutzten wir erstmals die Metro. Ein sehr empfehlenswertes, benutzerfreundliches, schnelles und mit einem Euro pro Fahrt günstiges Verkehrsmittel.  Hier bekamen wir ab 10 Uhr die Startunterlagen ausgehändigt ( kurz nach 10 Uhr traf man allerdings bereits auf Menschenmassen, aber die Abwicklung ging relativ rasch ..). Anschließend der obligatorische Gang durch die Marathonmesse, ohne deren Besuch ein Verlassen des Gebäudes ohnehin nicht möglich gewesen wäre. Ab dem Termini/Hauptbahnhof laufen wir zu Fuß zurück zur Unterkunft. Für Renate wurde das ein kleiner Horrortripp, denn der linke Schuh reibte ihr hierbei die ganze Ferse auf. Seitlich der Kirche „San Giovanni in Laterano“ befindet sich ein Renaissance-Gebäude, in welchem die 28stufige „Scala Santa“ = Heilige Stiege“ zu finden ist, die Jesus am Tag seiner Verurteilung  mehrfach hinauf u. hinabgeschritten sein soll. Heute rutschen Gläubige (bereits 1510 soll dies auch Martin Luther getan haben) diese Treppe – unter Einhaltung der strengen Benutzerordnung -  auf den Knien hinauf. Auf einer Steinbank unweit dieser knochenschindenden Stufen wurde Renates Ferse verarztet so gut es eben möglich war. Ohne Murren und Knurren ging es zurück ins Quartier. Hier angelangt kontrollierte ich die Startunterlagen und da kam mir etwas seltsam vor … wie ist das mit der Zeiterfassung … ein Transponder ?? welcher Transponder … muß mir das mal bei Gerhard ansehen. Tatsächlich, der hatte ein Tütchen mit so einem orangefarbenem Teil. Na toll … und wo ist meiner ?? Es half nichts, ich mußte nochmals zur Ausgabe. Jochen begleitete mich. Reclamo ! Der Sachverhalt war gleich geklärt. Schnell sauste einer der vielen Helferlein davon …. nach ca. 15 Min. fragten wir mal nach …. dann nach ca. 20 Min. war das Tütchen aufgetaucht. Ist das auch wirklich das Originalteil ? Si, Si …. Nach zwei Stunden waren wir wieder zurück. Nach der Hektik erst mal nen Espresso. Anschließend machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbaren. Bevor in unseren trockenen Kehlen ein hopfenhaltigen Schlummertrunk verschwand, regelte Renate erfolgreich mal noch eben die Sache mit der Frühstückszeit, welche von 7:00 auf 6:30 Uhr vorgezogen wurde.  

5:00 Uhr … er ist da …. mein 4. / Gerhards 25ster Marathonmorgen. Rasch ein Blick aus dem Fenster. Alles trocken … bestens. Was folgt ist das übliche Prozedere … vom Anbringen der Startnummer über das Befüllen der Trinkfläschchen …. etc. Metrolinie A … schon ganz schön was los … die 3.Station d.h. Haltepunkt Manzoni verlassen wir den Untergrund und laufen gemütlich Richtung Kolosseum. Anfangstemperatur knappe 10 Grad. Einreihen an den vermutlich europaweit einheitl. blauen DIXI-Häuschen. Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen …. Sprachgewirr aus allen Richtungen. Ja, jetzt wird’s ernst .. der Start rückt immer näher. Großfamilieneinheiten begleiten Angehörige selbst mit Kinderwagen bis zur Startblockunterteilung … dann müssen auch diese Personen ihre Liebsten verlassen. Wir sind im Block C bei den 4 Std.-Läufern. Vor uns hat ein Italiener seinen Laufpartner dabei … einen Hund ! Pünktl. um 9:00 Uhr setzt sich der erste Block in Bewegung … können flott nachrücken und sind knapp 2 Minuten später ebenfalls auf der Strecke. Diese führt links weg vom Kolosseum und steigt alsbald leicht an. Die erste von 3 oder 4 Musikkapellen bläßt uns einen Marsch …. es ist sehr eng …. ziemlich eng sollte es dann auch so ca. die ersten 20km bleiben. Die Temperatur hatte sich so bei ca. 16 Grad eingependelt. Zum Laufen also eigentlich ideal. Kurz nach km 15 trafen wir das 1.Mal auf Renate und Jochen. Was so richtig nervte waren die Getränkestationen, an denen die blauen, kurz angetrunkenen Flaschen wie Geschosse über den Boden sausten, einfach stehen bleibende Läufer und an den Sponge-/Schwammstationen die Unmengen von diesem Utensil, welche sich auf den Straßen wiederfanden. Bei km 21,1 befanden wir uns voll im Soll. Kurz nachdem bei km 26,26 der Garmin mal wieder verkündet hatte, dass er keinen Satellitenempfang mehr hätte und ich dieses Teil am liebsten zum Teufel geschickt hätte, tauchte Rudolpho auf … ein englischsprechender Italiener, dessen Fragen und Aussagen mir meine ganze Aufmerksamkeit abverlangten. Es wird zusehends härter. Auch Gerhard möchte anscheinend mit Rudolpho kein ausgedehntes Schwätzchen halten. Als bei uns kurz nach km 35 der Ofen langsam ausgeht, verlieren wir ihn ohnehin aus den Augen. Die Kräfte schwinden mit jedem Schritt …. oh man, was ist nur los mit uns … ja uns, denn auch dem Chef geht es nicht besser … dann bei km 36 die erste kurze Gehpause …  noch 6 km … wie soll das nur enden ?? Die Zeit selber ist mir inzwischen völlig egal geworden. Aber der hinterhältigste Streckenabschnitt sollte erst noch kommen …. so schön die spanische Treppe und der Fontana di Trevi auch sein mögen …. das Kopfsteinpflaster und das ständige Auf und Ab machen einen echt fertig. Mal schaut Gerhard nach mir …. dann ich wieder nach ihm … dann gehen wir wieder gemeinsam ein Stückchen und keiner von uns will eigentlich noch wirklich laufen … wir sind in ROM … also nun lass dich bitte nicht so hängen … schimpfe ich mit mir. Selbst zum Kolosseum steigt der Weg wieder an … o.k. das muß nun aber die Letzte sein …. quäle mich „laufend“ an einem „des Sables “T-Shirt, in welchem ein völlig entkräfteter Teilnehmer steckt, vorbei. Beruhigend, dass selbst wüstenerprobte Männer mal einen schlechten Tag haben. Die letzten 300m ins Ziel fällt die Straße doch tatsächlich leicht ab. Geschafft ?   Gerhard, haben wir es wirklich geschafft ? Dieser Zieleinlauf ist eher unspektakulär. Junge Damen hängen den Ankömmlingen die Medaille um … ein paar Schritte weiter warten Jungs darauf, dass man als Läufer seinen Fuß auf eine kleine Holzrampe stellt, damit sie den Klettverschluß öffnen können, an dem der Transponder befestigt ist. Wer möchte, kann sich zum Schutz gegen Kälte einen Metallfolienumhang geben lassen. Wir möchten. Bevor wir das Areal verlassen, trinken wir noch einen warmen Tee und holen uns die Asics-Plastiktüte, in der sich Gatorade-Getränkeflaschen und eine Orange befinden. Nun aber rasch in trockene Klamotten und ab unter die Dusche. Renate und Jochen waren schnell gefunden. Glückwünsche und aufmunternde Worte. Das tat gut. Dann schnell Richtung Metro.  

Tja, so war das bei unserem Rom-Marathon. Es ist wirklich keine einfache Strecke, von der gut und gern ein Viertel aus Kopfsteinpflaster besteht und das ROM auf 7 Hügeln steht, von denen wir als Läufer bestimmt 3 erklimmen mussten, ist eigentlich auch nichts neues. Aber mein Ego hat die 4:12:06 ganz gut verkraftet zudem meine Perfektionsansprüche gegenüber meiner Person ohnehin nicht unrealistisch hoch gesteckt sind. Was folgte waren noch 3 herrliche, regenfreie, kilometerreiche (tägl. zw. 14 u. 15) Urlaubstage. Am letzten Tag, dem Gründonnerstag regnete es vormittags und es wurde merklich kühler, wenngleich auch nicht so krass wie hier in Fürth, wo noch einmal der Winter anklopft. So, dann könnte man sich vielleicht doch schon langsam an die Planung für den Paris-Marathon machen … oder ?  

Verbleibe für heute – mit einem leichten Ziehen in der Oberschenkelmuskulatur – mit freundlichen Füßen. 
 

Heike